Der Schimmel und ich


Wie alles begann:

1984
Nach langer Reitpause entschloß ich mich zu einem Einsteiger-Kurs in Rosenau (Waldviertel), damals noch nach der Methode Bruns/Behr, nach der noch heute in Reken (D) Reitschüler ausgebildet werden. Rasch fand ich wieder Freude am Reiten und nahm im Herbst an einem Westernkurs, ebenfalls in Rosenau, teil. Da es damals noch so gut wie keine Möglichkeit gab, auf Schulpferden Western zu reiten, kam die Idee, ein eigenes Pferd zu kaufen. Nach längerem Rechnen und Verhandlungen mit meinem damaligen Freund, ob er Mitreiter sein möge, ging es Schlag auf Schlag. Ich bat Andrea Müller, die Reitlehrerin in Rosenau, sich umzuhören nach einem Pferd für mich. Nach einer kurzen Phase, in der ich dachte, ein Haflinger sei das richtige, verlegte ich mich dann auf den Araber.

Es dauerte nicht lange, und Andrea rief an und meinte, sie hätte ein Pferd für mich! Ich möge nach Theresienfeld zu Fam. Allgäuer fahren. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Fam. Allgäuer hatte einen Shagyaaraber (Crystal, kam später auch nach Erlach, lebt noch immer, bereits 34 Jahre, jetzt bei Karin Reisner), einen VA, Zohair-2, genannt Zonki, einen Andalusier und einen Isländer. Da sie nur Platz für 4 Pferde hatten und ein 3-jähriger Karthäuserhengst bestellt war, wollten sie einen der Araber verkaufen. Es wurde dann der VA, der ihrer Ansicht nach besser zu mir passen würde (womit sie, im Nachhinein betrachtet, recht hatten). Es dauerte nicht lange, ich hatte mich entschieden und Zonki (damals noch nicht "der Schimmel") gehörte mir. Da das neue Pferd erst im Frühjahr kommen würde, konnte ich ihn zunächst in Theresienfeld stehen lassen.

Ich fuhr nun regelmäßig am Wochenende und 1x unter der Woche hin und ritt, zunächst begleitet von Hrn. Allgäuer, dann auch alleine, sowohl am Reitplatz wie auch im Gelände. Meine Reitkünste waren damals noch sehr bescheiden und der erst 5-jährige Zonki auch noch ein rechtes "Haserl". Ich begann dann, nach einem Platz für ihn zu suchen und da bot sich der Reitstall in Mauerbach-Feldwiese an. Mein damaliger Freund, Arthur, hatte auf einer Veranstaltung den Westernreiter Peter Serro kennengelernt, der dort stand und uns den Stall empfahl (und uns zunächst unter seine Fittiche nehmen würde).

1985
Im zeitigen Frühjahr war es soweit: wir übersiedelten nach Mauerbach! Herr Allgäuer transportierte das Pferd hin - und nun war ich auf mich allein gestellt. Zunächst lief es mit dem Trainer ganz gut, ich startete auch schon auf unserem ersten Westernturnier, in Deutsch-Wagram. Die "Performance" war ok, da es aber nur ganz wenige Starter gab, waren die Platzierungen nicht von Bedeutung. Lange blieben wir nicht bei Peter Serro, wir wechselten dann zu Andi Jarc, das tat uns und dem Pferd besser. Langsam "eroberten" wir auch das Ausreitgelände rund um Mauerbach, was nicht einfach war, weil das liebe Tier sich Meter für Meter überreden ließ, weiterzugehen. Sehr bald streckte ich meine Fühler auch in Richtung Distanzreiten aus - das war ja einer der Gründe, warum ich einen Araber wollte! Mit Hilfe von Hilde Jarc (mit dem Shagyawallach SAMUM) und Horst Rainer (mit dem Shagyahengst EL MEHANN) machte ich mich ans Training. Im ersten Jahr war an einen Start noch nicht zu denken. Zu viele Probleme gabs noch beim alleine draußen reiten. Aber es wurde langsam besser und fürs folgende Jahr war schon einiges geplant.

In diesem Jahr fand auch die Europameisterschaft im Distanzreiten statt, und zwar in Rosenau!! Natürlich war Hilde Jarc dabei, aber auch etliche andere Österreicher. Ich arbeitete mit und durfte am Schluß Hilde's Sieg mit bejubeln. Im Herbst verbrachten Arthur, Zonki und ich mit etlichen Mauerbacher Reitern ein sehr schönes Wochenende in Raglitz, mit zwei Tagesritten. Hier lernte ich auch Biggi kennen, die damals noch einen Hengst hatte und mit der ich in den nächsten Jahren noch viel gemeinsam unternehmen sollte.

1986
Bereits mit Andi Jarc als Trainer geht es heuer auf ein großes Westernturnier, Wien-Donaustadt. Hier sind viele Starter und dementsprechend sind unsere Erfolge bescheiden. Aber ich lerne Ute Pfersmann kennen, die selbst einen VA-Hengst (LEYLEK) hat und sehr begeistert von uns ist. Sie ist dann auch auf meinem ersten Distanzritt meine Begleiterin! In Schwabendörfl starten wir auf einen 40 km-Ritt. Damals noch mit Einzelstart, dafür aber Bestzeitwertung. Ich nehme am Schluß das Tempo etwas zurück (sehr zum Mißfallen von meinem Pferd!), so wird Ute 5. und ich 7. Wir sind beide sehr zufrieden und froh, daß unser erster Ritt so gut gelaufen ist. Sie betreut mich dann auch im Juli bei meinem 2. Ritt in Rosenau, wo ich 50 km reiten sollte. Sollte? Tja, wir kamen leider nicht weit. Nach 2 km rutschte Zonki am Rollsplitt des Straßenrandes aus, stürzte und riß mich mit. Aus war's! Ich landete im Spital. Auch er war ziemlich verletzt, aber nur oberflächlich, keine Gelenke, Sehnen, etc. Meine Bilanz: Rißquetschwunde am Knie, Platzwunde am Hinterkopf (damals noch ohne Helm, nur mit Kapperl!).

Sehr hilfreich waren damals Andi und Hilde Jarc, die sich um mein Pferd kümmerten, ihn mit meinem Gespann nach Hause nach Mauerbach nahmen und in den folgenden Wochen versorgten. Seine Wunden heilten gut, meine nicht ganz so. 10 Tage mußte ich in Zwettl im Spital verbringen (bis die Nähte rauskamen), dann holte mein Vater mich heim. Es dauerte dann noch eine Weile, bis ich wieder reiten konnte (gedurft hätte ich noch viel später, aber was soll's). Aber schon bald verbrachte ich mit Ute und ihren Töchtern einen Urlaub in Raglitz, verbunden mit der Teilnahme am Westernturnier. Erfolge - naja. Aber gelernt haben wir viel! Leider gab es in diesem Jahr auch große Probleme mit den neuen Stallbesitzern in Mauerbach (Fam. Prohaska) sodaß ich mich auf die Suche nach einem anderen Stall machte. Ein paar Reiterinnen von Mauerbach waren kurz vorher nach Preßbaum in den Reitstall Sacré Coeur gezogen, also kam ich Ende des Jahres nach.

Etwas wesentliches aus diesem Jahr fehlt noch: ich lernte in Rosenau Klemens Petersilka kennen! Er war für meine weitere Karriere sehr wesentlich! Im Herbst besuchte ich ihn mit Pferd für ein Wochenende - der Anfang einer langen Erlach-Ära!

1987
Es dauerte einige Zeit, bis wir - v.a. das Pferd - uns in Preßbaum eingewöhnt hatten. Doch schon im Frühjahr ging es mit dem Training wieder los. Allerdings ziemlich mühsam - so richtiges Ausreitgelände gab es dort nämlich nicht! Alternative: runter ins Weidlingbachtal, dieses bis Rappoltenkirchen an der Straße und dann erst auf die Felder. Ein oftmaliger Spießrutenlauf! Im Mai dieses Jahres fuhr ich mit Zonki wieder nach Rosenau, diesmal auf einen Wanderritt. Dieser war zwar anstrengend, aber auch sehr schön! Das Pferd fügte sich bestens in die ihm unbekannte Herde ein und wir konnten den Ritt echt genießen.

Wieder daheim, ging es zum ersten Distanzritt nach meinem Unfall - wieder Schwabendörfl! Wieder 40 km, wieder mit Einzelstart und in Bestzeit gewertet. So wußte man unterwegs nie, wo man lag. Umso größer war die Überraschung bei der Siegerehrung: wir haben GEWONNEN! Ich konnte es nicht fassen! Ich verbrachte einige Trainingswochenenden in Erlach bei Klemens, wo wir miteinander große Runden ritten, immer begleitet und betreut von seiner Christa. Da das Pferd sehr gut beisammen war, plante ich als nächstes bereits 80 km in Raglitz. Leider wurde daraus nichts, Arthur brachte das Pferd von einem Tagesritt mit einem Satteldruck zurück. Na gut, des einen Leid, des anderen Freud - ich groomte Klemens, der (gemeinsam mit Errit Hackl) mit IGOR den 160er ritt - und Öst. Meister wurde. Ich hatte daran nicht unwesentlichen Anteil. Nachdem der Satteldruck verheilt war, ging es wieder ans Trainieren, u.a. in Kogl, wo ich das Pferd für 14 Tage hinstellen wollte. Leider holte er sich dort sehr bald eine Infektion (Husten, Rotznase) - so wurde nix daraus. Nachdem er wieder transportfähig war, holte ich ihn heim und begann, ihn wieder aufzutrainieren. Einen Ritt konnten wir in diesem Jahr noch machen, 30 km in Hochrotherd! Es hätten auch 50 sein können - die 30 gewann er souverän! Und das trotz der sehr schwierigen Strecke!

1988
In diesem Jahr wechselte ich im Sommerhalbjahr alle 14 Tage zwischen Erlach und Preßbaum. Es ging sich nur ein Ritt aus, 60 km in Raglitz, gemeinsam mit Klemens (nach dem Tod von IGOR im Vorjahr war CRYSTAL, genannt CRISSY, zu ihm gekommen) und Petra Kupfner mit ihrer ROSE. Klemens hatte Pech und flog am Schluß raus, CRISSY war lahm. Petra und ich kamen durch, sie gewann, ich wurde 2. Ein zweiter Ritt wurde durch eine Verletzung meines Pferdes daheim auf der Koppel verhindert. Ich ritt das Pferd inzwischen alleine, da Arthur abgesprungen war und ich darüber gar nicht böse war. Es tauchte dann aber Andrea Hubalek auf, eine Freundin von Angelika Pratschner, die ich schon von Mauerbach her kannte. Andrea suchte ein Mitreitpferd, Andrea war Araberfan, aber Andrea hatte mit Western nicht am Hut. Da ich sie als Mitreiterin aber wollte, begannen wir, das Pferd auf Englische Reitweise umzustellen - wohl fast ein Unikum! Es war sehr, sehr mühsam, aber es sollte im Lauf der Jahre recht gut gelingen. Hilfreich dabei waren zunächst Romy Binner, die damalige Partnerin von Helmut Wolfram, eine sehr gute Reiterin - und später Inge, eine Dressurreiterin im SC, mit sehr viel Gefühl für den sensiblen Araber. Über den Winter bekam Zonki dann eine neue Aufgabe: Voltigierpferd für eine Zwergengruppe, die im SC beheimatet war! Er machte seine Sache sehr gut, sie hätten ihn sogar gern für Turniere gehabt, aber das paßte nicht in mein Programm.

1989
Im zeitigen Frühjahr hatte der Schimmel wieder mal eine für ihn ungewohnte Rolle zu bewältigen: Helmut Wolfram hatte im Vorjahr einen Paragleitunfall, nach dem er querschnittgelähmt blieb. Er und Romy wollten probieren, ob er nun nicht wieder reiten könnte. Romy hatte ja viel mit mir und Zonki gearbeitet und kannte das Pferd gut. Also versuchten wir's - und es klappte! Das Pferd stellte sich total auf den gelähmten Reiter ein, sah nicht links noch rechts und war sehr rücksichtsvoll.

In diesem Jahr entschloß ich mich, das Pferd fürs Sommerhalbjahr ganz nach Erlach zu stellen, weil das ständige Übersiedeln für beide zu mühsam war. Unter den Fittichen von Klemens und meiner langjährigen Freundin, Reitkameradin und Groom, Nadja Hruska, entwickelten wir uns beide sehr gut. Außerdem hatte ich es satt, jeden 2. Ritt absagen zu müssen, weil wieder irgendwas war. Also bediente ich mich meines Kommandotons, teilte meinem Pferd mit, daß es heuer alles zu gehen hatte, was geboten wurde - und jeweils die höchste Distanz! Er salutierte, und los gings!

Zunächst in Erlach der erste Teil des Leistungsmodells Distanzreiten zu Ostern, dann: 80 km Frankenau, 60 km St.Margarethen, 80 km Neunkirchen, 60 km Schranawand, 100 km Erlach (ÖM), 50 Kogl - bis auf Schranawand (3.) nur 1. oder 2. Plätze, Vize-Meisterin und Siegerin im Raika-Cup (über alle 6 Ritte) - eine tolle Ausbeute! Gesamt hatten wir heuer 430 Ritt-km geschafft. Und fast alle Ritte gemeinsam mit wechselnden Reiter/innen aus Erlach: Klemens mit CRYSTAL, Mella Kajdocsi mit SAIDA (die spätere Fahrstute von Klemens), Petra Kupfner mit ROSE, Nadja Hruska mit ihrem Traber TURBO, Andrea Baltacis mit RINALDO, Rita Völkl mit dem VA-Hengst SIHANOUK. Am Ende der Saison gab es eine schöne Ehrung auf der Badener Rennbahn, im Rahmen der Vollblutaraber-Schau, zu der Max Schardax mit SALIM (Öst. Meister) und ich geladen waren.

1990
Wieder übersiedle ich im Frühjahr nach Erlach. Vorher aber haben wir ein neues Projekt begonnen: Zonki wird eingefahren! Klemens hat schon im Vorjahr die Fahrlizenz gemacht und mit SAIDA ein bereits eingefahrenes Pferd zur Verfügung. Das mach ich auch! Aber wie? Schon im vergangenen Winter ist Heinrich Miksa im Preßbaumer Stall aufgetaucht, als Begleiter eines Fahrlehrers, der zu dem Kurs, den er im RSC hielt, auch seine zwei Ponies mitbrachte. Ich machte bei dem Kurs mit, konnte dann aber aus Krankheitsgründen die Prüfung nicht machen. Ich war aber viel mit Heinrich am Wagen und lernte seine ruhige und sichere Art kennen und schätzen. So ergab es sich, daß ich ihn bat, mein Pferd einzufahren. Ein Wagerl hatte er, das erst noch ein wenig umgebaut werden mußte. Ein Geschirr kaufte ich.

Zonki stellte sich von Anfang an recht geschickt an (möglicherweise war er in Babolna schon eingespannt gewesen). Es gab zwar die einen oder anderen Probleme, aber das ist ganz normal. Außerdem waren die räumlichen Bedingungen denkbar schlecht. Nach einiger Zeit transportierten wir Pferd und Wagen auf zweimal ins Tullnerfeld und fuhren dort die ersten Runden. Nachdem ich dann wieder nach Erlach gezogen war, holten wir auch den Wagen dorthin und fuhren bald regelmäßig. In dieser Zeit kamen Heinrich und ich einander näher (auch aufgrund der Probleme mit Franz Schenkermayr, mit dem ich seit gut 2 Jahren zusammen war). Wir starteten dann auch im Spätsommer in Raglitz bei der Gebietsmeisterschaft und hatten dort schöne Erfolge. Mit CRISSY durfte Heinrich in Bruck/Leitha bei der Einspänner-ÖM starten, leider ohne Platzierung, da das Geschirr riß und er in der Marathon aufgeben mußte. Ein weiteres Turnier in St.Margarethen (bereits mit mir als Beifahrer!) beendete er mit schönen Platzierungen, u.a. Sieg im Kegelfahren.

In diesem Jahr nahmen ZONKI und ich zum ersten Mal an einem Patrouillenritt des HSV teil, es ging von Tulln nach Albrechtsberg, 1 1/2 Tage. Die Strecke war selbst zu wählen, nur Start, Mittagspause und Ziel waren vorgegeben. Dazu gab es einige Aufgaben, wie Entfernungsschätzen, Marschzahl bestimmen - und Pistolenschießen! Auf diesem Ritt war mein Vater (wie später auch noch öfter) als Begleiter unterwegs. Eigentlich wollte ich gar nicht Schießen, weil ich mich so fürchtete. Aber er "schleifte" mich hin und es ging dann auch recht gut! Der Ritt an sich war zwar anstrengend, aber auch sehr schön. Im Mai sind Klemens mit CRISSY und ich mit ZONKI in Aspang auf der Messe zu Gast und zeigen dort eine Westernvorführung, die sehr gut ankommt!

Was tat sich am Distanzsektor: Im April ritt ich in Modlisch (Waldviertel) 50 km (bewußt langsam wegen des geplanten 160ers), 9. Platz. Dann nahmen die drei apokalyptischen Schimmel von Erlach (Mella Kajdocsi mit SAIDA, Andrea Baltacis mit CRISSY und ich mit ZONKI) in St.Margarethen 80 km unter die Hufe und wurden ex aequo Dritte. Und dann der erste Hundertmeiler! Geplant war die gleiche Besetzung, doch Mella wurde in der Nacht zuvor krank und fiel aus. Andrea sattelte um auf SAIDA, weil Klemens sie für das bessere Pferd hielt. Wir hatten zuvor daheim bereits die Pokale verteilt, doch es sollte anders kommen. SAIDA erlitt unterwegs eine leichte Adduktorenzerrung, und ich war ab 80 km bereits "fertig". So waren wir froh, wenigstens ins Ziel zu kommen, wenn auch als 7. und damit letzte. Vier Wochen später ritt ich in St.Valentin (Schlöglhofer) 60 km, und im Herbst Nadja in Klein Neusiedl 60 km, gemeinsam mit Rita und SIHANOUK. Andrea mit SAIDA und ich mit ZONKI waren qualifiziert für die WEG in Stockholm, fuhren aber aus eigener Entscheidung nicht hin. ZONKI und ich erreichten den 6. Platz im diesjährigen RAIKA-CUP, gesamt 410 Ritt-km in diesem Jahr!

1991
Den Winter hatte ich wieder in Preßbaum verbracht, dabei schöne Erfolge im Dressurtraining mit Inge erzielt, u.a. Galopptraversalen! Im Frühjahr übersiedeln wir wieder nach Erlach und die Saison beginnt mit einem Fahrturnier: Klemens nimmt uns mit nach Stadl-Paura! Unser erstes richtiges Turnier! Leider ist das Wetter schlecht, aber die Ergebnisse trotzdem ganz brauchbar: 4. Dressur, 2. Marathon, 2. Kegel, Gesamt 2. Platz! Weiter geht es mit Distanz: Heuer sehr erfolgreich! Sieg in St.Margarethen über 60 km, und in Schranawand über 80 km, damit auch NÖ Landesmeisterin. Dann noch ein 2. Platz in Altenfelden. Dann wieder Fahrturnier, diesmal in Neusiedl, diesmal mit mäßigen Erfolgen (D 5., M 3., K 6., da hat er völlig gesponnen, Gesamt 5.). Und Ende Oktober noch eines in Laxenburg. In der Marathon verfährt sich Heinrich, ZONKI geht ansonsten sehr brav.

Wir haben im Winter (um es Klemens wieder mal nachzumachen *g*) einen Autobus gekauft und angefangen, ihn umzubauen. Diese Arbeiten ziehen sich bis in den Sommer und benötigen sehr viel Zeit, daher habe ich nicht allzuviel machen können, was Distanz betrifft. Aber wir haben viel geleistet und der Bus ist innen sehr schön geworden! Wieder reite ich bei einem Patrouillenritt mit, diesmal gemeinsam mit Nadja und TURBO. Es geht in drei Tagen von Reichersberg bis nach Zwettl/Edelhof! Es geht uns trotz einiger Pannen recht gut, die Pferde gehen gut miteinander. Wieder ist mein Vater mit von der Partie - und Heinrich mit unserem Autobus! Außerdem gab es auch noch eine Vorführung auf der Rosenburg "Arabische Pferde, Kamele und Falken", bei der Ute mit ZONKI in einem arabischen Kostüm teilnimmt. Und im Herbst machen Heinrich und ich mit ZONKI eine Woche Urlaub in Podersdorf, am Georgshof. Wir machen einige schöne, lange Ausfahrten.

In diesem Jahr war Christof Fenz unser Reitlehrer in Erlach. Er stellt sein Pferd über den Winter in die RS Perchtoldsdorf und überredet uns, auch dorthin zu kommen. Leider gibt es dort kaum Koppeln bzw. ist das Pferd vormittags ganz allein draußen, was viel Streß für ihn bedeutet. Ausreiten kann man auch nicht wirklich, wir probieren eine Ausfahrt, geht aber nur in verbautem Gebiet. Dressurmäßig kommen wir allerdings gut weiter, Hausturnier im Jänner sieht uns einmal am 7. Platz (R2) und dann am 2. Platz (VA1)! Zu Weihnachten hat Heinrich mit ihm eine Vorführung am langen Zügel einstudiert (unter Anleitung von Janos Füleki), die sehr gut ankommt.

1992
Im Laufe des März wird es ZONKI zu viel, immer nur Dressur, allein auf der winzigen Koppel, etc. Er gibt uns sehr deutlich zu verstehen, daß er "raus möchte". Ich bringe ihn nach Erlach - und schlagartig ist alles gut! Wir starten im April in Breitenfurt beim Dressurturnier (das erste "richtige" Turnier!) und sind gleich positiv! Weiter geht es dann im Mai mit einem 60 km-Ritt in Rauchenwarth, den wir auf dem 5. Platz beenden. Danach trainiere ich weiter für die heurige ÖM, die nur über 120 km ausgetragen wird. U.a. reite ich nach Mollram, wo eine Freundin von Heinrich und mir, Biggi mit ihrer Stute WINDY zuhause ist. Das Trainingsgelände ist dort sehr schön, und so beschließe ich, ein paar Tage dort zu bleiben. Und dann begehe ich einen schweren Fehler! Ich lasse mein Pferd in die fremde, sehr festgefügte Mollramer Herde hinein - er wird sofort angegriffen und erhält etliche Bisse, u.a. genau in der Sattellage. Meisterschaft ade! Trotzdem stelle ich das Pferd im Lauf des Sommers ganz nach Mollram - weil uns beiden die Gegend in Erlach schon zum Hals raushängt und es rund um Mollram viel schöner ist (v.a. viel Wald!).

Dafür probieren wir etwas anderes: Heinrich hat eine Deichsel für seinen Wagen herstellen lassen und ein Zweispännergeschirr beschafft. WINDY und ZONKI sollen gemeinsam im Wagen gehen. Leider endet der erste Versuch nach 500 m damit, daß Biggi ihre Stute ausspannt, umdreht und heimgeht. Das war's dann. Da ich nach wie vor zwischen Erlach und Mollram pendle, ergibt es sich einmal, daß das Pferd in Mollram ist, ich aber in Erlach, ihn dort brauch, keinen Transport hab und nicht die Zeit, ihn rüberzureiten. Was tun? Heinrich fährt mit meinem Fahrrad und dem Pferd am Strick durch den Wald nach Erlach! Sein Kommentar: "mehr als sieben Mal hab ich nicht getreten"! Braver Schimmel!

Anfang August sind wir in Frauenkirchen bei einem lokalen kleinen Fahrturnier, wo wir kräftig abräumen - in allen Bewerben Heinrich Erster, ich Zweite! Mitte August geht es wieder ernster zur Sache - Fahrturnier in Unterlaa! Unsere erste S! Es klappt sehr gut, ZONKI gibt sein Bestes, in einem Hindernis haben wir sogar Bestzeit! Dressur wie immer nicht so toll, Marathon sehr knapp 4. Platz, Kegelfahren 3. Platz. 14 Tage drauf sind wir in Karlstetten zu Gast - diesmal mit einem Mißerfolg! Das alte Problem: wenn man ihn mit den Leinen zu gach auf links nimmt, geht er nur mehr rechts. So müssen wir im Wasserhindernis kapitulieren, was sehr schade ist, weil er sonst sehr gut geht und wir diesen Bewerb gewonnen hätten! Wie das? Nun, wir sind diesmal bei den Kleinpferden mitgefahren und die übrigen waren nur Haflinger (mit nicht so guten Fahrern). Aber was soll's. Dafür hat Heinrich das Kegelfahren gewonnen.

Toller Abschluß dieser Saison ist die Ulanenfahrt Reuhof - Schloßhof - Reuhof, die überhaupt erst durch unsere Initiative zustandekam. Als die Strecke für heuer bekanntwurde, hatte ich die Idee, daß wir außer Konkurrenz mitfahren, weil zum Reiten bissl fad. Oberst Schuster meinte auf die Frage, ob das möglich sei, daß er eine eigene Wertung ausschreiben würde, wenn ich 10 Gespanne zusammenbrächte! Das gelang mir auch - UlanenFAHRT! Von Erlach ist auch eine Gruppe Reiter mit, sodaß wir uns immer wieder treffen und viel Spaß haben. Auch Heinrich, der Schimmel und ich geniessen die Fahrt. Tüpferl auf dem I: wir sind am Schluß die Sieger! Was nicht viel mit dem Fahren, mehr mit den Zusatzaufgaben zusammenhängt, die Heinrich bravurös meistert! Den Winter verbringt ZONKI in Mollram, wo ich hauptsächlich mit ihm spazierengehe.

1993
Ein ereignisreiches Jahr! Ich beginne schon im Februar zu trainieren - und gleichzeitig mit dem "Dieselkurs" (Führerschein C+E) in Wr. Neustadt! Ziemlicher Streß mit ständig Hin- und Herfahren, trainieren, danach Kurs und die Fahrstunden. Am 8.April ist Prüfung - es klappt auf Anhieb! Und gleich eine Woche später die nächste Prüfung - die (Kutschen-) Fahrlizenz! In Karlstetten mit Karl Kohl's Haflingerstuten. Und am folgenden Wochenende schon mein erstes (und für längere Zeit letztes) Fahrturnier! Heinrich hatte keine rechte Lust mehr, und war einverstanden, daß ich fahre und er als Beifahrer mitmacht. Es ist ein an sich leichtes Turnier am Reuhof, nur ein Hindernis hats in sich, ein steiler Wall, über den man zweimal drüber muß. Ich hätt mich nicht die ganze Nacht fürchten brauchen, soweit kamen wir gar nicht!

Nach gut absolvierter A-Phase und der halben D-Phase (Schritt) fängt das Pferd plötzlich an, wie wild auszuschlagen und davonzurasen, katapultiert mich von Wagen und es dauert eine Weile, bis Heinrich ihn "einfangen" und in der Folge ausspannen und ausschirren kann. Was war passiert? Stellte sich erst später heraus, vermutlich ein Stich von einem großen Insekt genau zwischen die Hinterbeine ganz oben. Fazit: ich eine Rippe gebrochen, mehrere angeknackst, tiefe Schürfwunde am rechten Schienbein. Pferd etliche gröbere Schürfwunden. Harte Zeit für Heinrich, der alles organisieren, das Pferd (in Mollram) betreuen und mich im Meidlinger UKH besuchen muß.

Es wird aber alles wieder gut, nur Turniere reite ich in diesem Jahr nicht. Dafür bestreitet Nadja Hruska drei Ritte mit ZONKI, 60 km in St.Margarethen (1. Platz), 60 km in Götzendorf (2. Platz) und 80 km in Unterburg (2. Platz). Gesamt 2. Platz Wanderpokal und 3. Platz Zuverlässigstes Pferd. Was war sonst noch in diesem Jahr? Heinrich fährt FATIMA, die Shagyastute meiner Kousine Gabi Wirth, ein. Allerdings hat er den Schock meines Unfalls doch nicht gut überwunden, denn nach einigen Wochen (und einem an sich harmlosen Erlebnis mit FATIMA) erklärt er plötzlich, daß er nie wieder einspannen wird! Ich bin geschockt, muß es aber zur Kenntnis nehmen. Nachdem ich soweit wieder hergestellt bin, spanne ich das Pferd mit Nadja's Hilfe und ohne Wissen von Heinrich einmal ein und fahre eine halbe Stunde Schritt - es muß sein! Und es geht auch gut. Das wars aber dann!

In Leutschach findet die heurige Distanz-Meisterschaft statt, die Erlacherin Silvia Baranyai mit SAIDA nehmen teil und werden Meister. Ich bin dabei - und beschließe, im nächsten Jahr wieder selbst einen Hundertmeiler zu reiten. Bisher war Heinrich dagegen, aber diesmal (bei der "Kundmachung" dieses Entschlusses anläßlich der Erlacher Weihnachtsfeier) stimmt er zu. Einmal in diesem Jahr bin ich allerdings auch wieder selbst im Sattel - beim heurigen Patrouillenritt, diesmal als Sternritt in Aspersdorf bei Tulln. Wieder ist Papa mit von der Partie und es macht uns viel Spaß. Im September ist in Erlach ein Landesreitlehrerkurs, an dem Nadja mit ZONKI teilnimmt. Sie springt viel mit ihm, als Krönung eine 1.20m Rennbahnbürste! RL Simanek meint, das könnt ihr nicht - und ob sie können!

1994
Den Winter haben wir in Gerasdorf, im RS Haun verbracht. Unterrichtet hat uns dort Kitty Nagel, und es gab eine neue Mitreiterin: Kathi, die Tochter von Freunden von Andrea Hubalek. Man kann dort auch ausreiten, aber hauptsächlich trainieren wir in der Halle. ZONKI hat dort einen Offenstall gemeinsam mit einem jungen Pferd von Hrn. Haun, so funktioniert es besser wie in Perchtoldsdorf. Kathi kommt recht gut zurecht und reitet auch nach unserer Übersiedlung zurück nach Erlach öfter. Sie macht dort auch den Reiterpaß. Auch ich gehe die Saison an und wir machen uns auf den Weg zum 2. Hundertmeiler! Zunächst mal ein Dressurturnier, diesmal unter den Fittichen von RL Jean-Marc Poisson, in Aspang. VA1 lizenzfrei, Bewertung positiv.

Eine Woche später, Ende April, geht es mit den Distanzritten los: zunächst mal 60 km Rauchenwarth (mit einer ganzen Mannschaft von Erlach), 7. Platz (wir lassen uns bewußt Zeit!). Eigentlich hätte im Mai in Wolfern die heurige ÖM stattfinden sollen. Da aber dort Druse aufgetreten ist, wird die ÖM auf August verschoben. Nun gibt es aber keine Möglichkeit in Österreich mehr, sich für die heurigen WEG zu qualifizieren. Wieder einmal springt Erlach ein und veranstaltet einen "privaten" 160er, über Raglitz und die Rosalia, in drei Schleifen, als Quali-Ritt. Ich reite in der Früh die erste 50 km-Runde mit. Mehr nicht, weil ZONKI im Frühjahr Verspannungen in der Brustmuskulatur hatte und noch nicht fit für mehr ist. Erst im Juli starte ich wieder, in Mitterndorf über 80 km, 3. Platz, Vize-LM (die LM gewinnt Silvia Baranyai mit CASH NOBEL, Erlach).

Und dann - der große Tag - unser zweiter Hundertmeiler! Schon zwei Tage vorher machen wir - Heinrich, Schimmel und ich mit dem Bus - uns auf nach Wolfern. Ich reite die ersten und letzten km der Strecke ab. Wir sind letztlich nur zu dritt auf dem 160er (einige kürzere Strecken gibt es auch, wo auch Erlacher dabei sind), Daniela Entner mit MIRABELLE, Franz-Joseph Hoppenberger mit LUMBUSH und wir. Nur wir haben schon einen 160er absolviert. Ich reite die ganze Zeit mit Daniela, FJH sehen wir immer wieder, d.h. er galoppiert zunächst weg, dann geht er Schritt, wir überholen ihn, dann galoppiert er wieder weg und überholt uns. So geht das lange Zeit dahin, aber es berührt uns nicht. Mir geht es bis km 110 sehr gut, dann muß ich Sattel wechseln. Den Westernsattel bin ich überhaupt nicht mehr gewöhnt und es wird jetzt mühsam. Erst im letzten Gate können wir FJH abschütteln und nun gilt es, noch 17 km zu absolvieren. Daniela ist fast die ganze Zeit vorn geritten, was auch von den Pferden her gut war. Und ohne sie hätte ich den Ritt auch nicht durchgestanden. So war es für mich klar, sie im Ziel vorzulassen (sehr zum Missfallen meiner Grooms). Apropos Grooms: nachdem ich schon von Anfang an einen Haufen Grooms hatte - Heinrich, Andrea, Nadja+Leo, Silvia+Hannes - wurden es im Lauf des Rittes noch mehr - Gundi Nikles stieß nach Ende ihres 60ers dazu, auch Robert und Kitty Nagel waren mit von der Partie.

Dani wollte nicht im Dunklen reiten - und wir schafften es tatsächlich bei Tageslicht! Reine Reitzeit 11 1/2 Std. - das war zu dieser Zeit durchaus respektabel! Und mein braver Schimmel ist diesmal fast ohne Totpunkt durchgelaufen! Er, aber auch alle meine Betreuer - sogar mein Vater war wieder dabei! - waren einfach super! Es war ein so tolles Erlebnis, daß ich es mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde! Einziges wirkliches Problem: ZONKI hat ja leider von Babolna her einen Brand in der Sattellage, und in die betroffene Stelle hatte sich ein Pilz eingenistet, der dazu führte, daß die Haare büschelweise ausgingen. Aber mit viel Pflege schafften wir auch dieses Problem.

Im Anschluß an den Ritt stellte ich das Pferd nach Grimmenstein auf eine Weide, primär zwecks Ausheilung der Sattellage. Es sollte sich zeigen, daß dies auch aus einem anderen Grund sehr günstig war. Im September fand in Leutschach die diesjährige Bundesländer-Mannschaftsmeisterschaft statt, bei der NÖ den tollen 2. Platz erreichte und das, obwohl wir keinen Reiter auf 80 km hatten! Ich war als Groom mit dabei.

1995
Ein schwieriges Jahr! Im Jänner kommt mein Lebensgefährte Heinrich ins Spital - Lungenkrebs. Am 12. Mai hat sein Leiden ein Ende. Nun stehe ich allein da. Kein Auto, Hänger verpachtet, mit dem Bus kann ich allein auch nicht. Abgesehen von allen anderen Problemen. So bin ich zunächst froh, daß ZONKI in Grimmenstein steht und ich mich nicht kümmern muß. Hole ihn dann aber im Juni wieder zurück nach Erlach und beginne wieder zu reiten. Eigentlich wollte ich in diesem Jahr kein Turnier gehen, aber dann braucht die Mannschaft für Wolfern (BLMM) noch einen 60er. Den schafft er allemal. Nadja bringt uns hin (den Hänger habe ich inzw. zurückgeholt, Zugfahrzeug habe ich noch keines). Wir sind zwar langsam, aber das macht nichts.

Ende August gibt es in Linsberg (Nachbarort von Erlach) eine Vorführung des K&K-Reitstalls Erlach, u.a. eine 4er-Quadrille, bei der ZONKI und ich natürlich dabei sind. Weiters mit Klemens und CRISSY Trail-Vorführung, etc. Im Herbst dieses Jahres besuche ich Gabi Wirth im Marchfeld. Wir wollen zwei Tage miteinander reiten - leider wird nichts draus, weil ZONKI akut zu Lahmen beginnt. Wir bringen ihn in die Uni-Klinik (damals noch in Wien im 3. Bez.) - Arthrose, möglicherweise Chip, OP angeraten. Das muß ich mir erst überlegen. Aber es bleibt nichts anderes übrig und so kommt er nochmal hin und das wird gemacht. Nach etwas mühsamer Regeneration in Erlach ist dann wieder alles ok. In der Klinik hieß es zwar, keine Rennen mehr, nur ausreiten und Dressur, aber mein TA meint, das soll ich nicht so ernst nehmen. Es wäre schade! Den Winter über bleibt ZONKI in Erlach, machen können wir eh nicht viel.

1996
Es dauert lange, bis ich wieder starte. Ist allein alles nicht so einfach. Aber wenigstens habe ich inzwischen auch wieder ein Zugfahrzeug (Pajero). Erst im August starte ich in Horitschon, wir erreichen dort den 6. Platz. Danach nehmen Nadja und ich wieder an einem Ordonnanzritt (früher hieß das Patrouillenritt, ist aber das gleiche) teil, diesmal in Neuhofen/Ybbs, wieder als Sternritt mit fixem Standquartier. Mitte September gibt es in Erlach eine große Feier zur Markterhebung des Ortes. Nadja fährt mit ZONKI in der Kutsche mit, die meisten anderen reiten mit im Festzug. Nach einem Landesreitlehrerkurs Anfang November übersiedle ich mit ZONKI nach Enzesfeld auf den Julienhof. Michaela Stickler hat mich dorthin "gelotst". Es ist deutlich näher zu Wien (pendle nach wie vor zw. Wien und Erlach!). Außerdem - anderes Gelände, andere Leut. Distanzmäßig wird sich auch nicht mehr so viel abspielen.

1997
Über den Winter üben wir fleißig Dressur, mit Claudia Krammer und teilw. auch Rainer Komarek als Reitlehrer. Claudia reitet das Pferd auch selbst. Dazu trainieren wir doch wieder fleißig für Distanz, begleitet von Michi Stickler mit ihrem C'EST LA VIE, Gerhard Lackner mit seinem Haflinger FRITZI, später mit BALOU. Gerhard ist von Anfang an begeistert von meinem Araber und ist bald nimmer von seiner Box wegzukriegen. Im März verletzt sich das Pferd, sollte spazierengeführt werden - er macht das! Im Schneesturm! Bald reitet er ihn auch das erste Mal und ehe wir es uns versehen, ist er mein Mitreiter - was er für etliche Jahre bleiben sollte. Er begleitet uns auch auf das erste Dressurturnier, in Neufeld, ich reite dort eine lizenzfreie Aufgabe (und werde leider etwas "runtergetragen" von einem Richter, der am Dressurplatz keine Araber sehen will). Claudia reitet eine Ponyaufgabe, mit etwas besserem Ergebnis, aber auch unterbewertet. Die Dressurturniere werde ich jetzt sein lassen, hat wenig Sinn, wenn man nur gegen Vorurteile ankämpft. Daheim üben wir natürlich weiter!

Distanzmäßig geht es Anf. Mai los - Kurs in Bad Ischl mit Alberto Fasano! Michi und ich fahren mit unserem Pferden hin, Gerhard kommt natürlich mit! Der Kurs ist sehr anstrengend und ich bin froh, daß Gerhard teilweise reitet. Er kommt sehr gut zurecht mit dem Pferd. Kurz darauf starte ich in Horitschon 60 km, Ergebnis 5. Platz! Weiter geht es mit 80 km in Aigen-Schlägl, 6. Platz (da hätte ich aber auch 3. werden können). Immer betreut von Gerhard und wechselnden zusätzlichen Leuten (Lore Offenmüller, Jörg Langusch, Norbert Christely), weil Gerhard noch keinen Führerschein hat. In Riedlingsdorf lasse ich Gerhard auf 40 km starten, möchte mal sehen, wie das klappt. Es klappt bestens! Also wird er nächstes Jahr weitermachen. Ich mache diese Saison noch zu Ende, aber langsam wird es mir zu viel, vor allem nervlich - die Buckelei nach dem Start und die Zieleinläufe.

Eine Woche nach Riedlingsdorf reite ich in Aspersdorf 80 km, 3. Platz. Weiter geht es mit St. Valentin 60 km, 7. Platz, 60 km in Ilz, 11. Platz (gemeinsam mit Norbert und seiner Tochter Andrea, die den Friesenhengst reitet. Da dieser untrainiert ist, sind wir sehr langsam). Gesamt ergibt das in dieser Saison 380 km und den 3. Platz im "Zuverlässigsten Distanzpferd" - wie war das noch, im Jahr 1995? Keine Distanzen mehr? Tja, oft kann man sich täuschen.

Ich habe in diesem Jahr schon im späten Früjahr mich mit dem Gedanken beschäftigt, mein Pferd wieder einzuspannen. Kutsche und Geschirr habe ich noch. Gerhard redet mir zu, er fährt auch gerne. Nach einem Besuch in Katzelsdorf bei Familie Nikles und einem ausgiebigen Ritt dort (damit er müde ist), spannen wir nach der Heimkehr ein. Ich bin zwar ziemlich aufgeregt, aber soweit klappt alles ganz gut. Mein Pferd ist halt ein Profi! Gerhard geht vorne am Kopf mit einer Longe mit. Wir probieren sogar ein kurzes Stück Trab. In der Folge fahre ich sehr viel, meist mit Gerhard als Beifahrer, aber auch mit meiner kurzzeitigen Mitreiterin Caroline. Das Gelände rund um den Julienhof eignet sich recht gut und es macht allen Beteiligten Spaß.

Im Laufe des Sommer kommt dann die Idee auf, doch wieder ein Turnier zu besuchen! Ich habe zwar keinen Dressurplatz und kann auch nur bedingt Hindernisse üben, aber es geht ja auch nur darum, ein Turnier zu Ende zu fahren. Es bietet sich Lichtenwörth an, nicht weit weg und ein leichtes Turnier. Beifahrer sind in der Marathon Norbert Christely (er ist ein paar Mal mit mir mitgefahren, fährt selbst auch) und in Dressur und Kegelfahren Caroline. Das liebe Pferdchen benimmt sich mal wieder etwas "überdrüber", aber wir schaffen die Marathon recht gut! Dressur ist - naja, wie immer, etwas schwach. Kegelfahren so mittel. Aber wir haben es geschafft - ich bin ein ganzes Turnier durchgefahren! Und ich war nirgends letzte! Ob ich vielleicht doch nächstes Jahr noch 2 Turniere machen kann und die F2 bekommen?

Am Julienhof wird leider die Situation immer schlechter, sodaß ich wieder einmal nach einem neuen Platz Ausschau halte. Zunächst einmal darf der SCHIMMEL einen schönen Herbst auf der Südseite des Wechsel, in Breitenbrunn verbringen, bei FURIANT, dem Hengst von Fam. Offenmüller. Danach (Anf. Dezember) übersiedelt er nach Lichtenwörth auf den neueröffneten Heutalhof der Fam. Prandl.

1998
Inzwischen reitet Gerhard regelmäßig, v.a. am Wochenende, weil er in diesem Jahr unter der Woche "das Vaterland verteidigt". Aber es ist fix, diese Saison gehört ihm, mein letztes Rennen war im Vorjahr Ilz. Er macht im April in Baden den Reiterpaß mit dem SCHIMMEL, damit er ab 60 km starten kann. Ich spanne in Lichtenwörth auch viel ein. Begleiten tut mich dabei öfter Margit Papauschek, die ich im Vorjahr kennengelernt habe. Sie ist auch eine gute Fahrerin, hat zurzeit aber kein eigenes Pferd, sondern zwei Mitreitpferde. Sie beschäftigt sich auch mit Horsemanship, etc.

Das erste Rennen im heurigen Jahr ist Anfang Mai in Horitschon, wo Gerhard 60 km reitet und den 3. Platz erreicht! Wieder mal ein "Häferl" für den SCHIMMEL - wer hätte das gedacht! Im Juli reitet er 60 km in Riedlingsdorf, diesmal wird es ein 8. Platz. Der 3. Ritt in Aigen-Schlägl 80 km wird leider zum Desaster! Auf der letzten Etappe (von Schöneben zurück nach Aigen) stürzen die beiden, Gerhard ist nur leicht verletzt, das Pferd ärger. Die Karpalgelenke sind voll aufgeschlagen. Zum Glück stellt sich nachher heraus, daß die Sehnen unverletzt und die Gelenke nicht eröffnet sind. Ich hole ihn gemeinsam mit Dr. Gert Adlassnig vom nächstmöglichen Punkt ab. Nach einer Erstversorgung vor Ort bringen wir ihn in den Stall, wo Gert die Wunden näht. Es ist noch nicht mal sicher, ob ich das Pferd am nächsten Tag heimfahren kann. Auch er hat einen ziemlichen Schock. Am nächsten Morgen geht es ihm aber dann wieder besser und mit Schmerzstillung versorgt, fahren wir nach Hause.

Zunächst am Heutalhof wird er versorgt und gepflegt, Gert kommt regelmäßig zum Verband wechseln. Durch diesen entsteht dann auch auf der Hinterseite eines Karpalgelenks eine Wunde. Aber langsam wird es doch besser. Später übersiedelt er nach Wopfing zu Rita Völkl, wo er mehr Bewegung hat. Er bleibt über den Winter dort, erst im zeitigen Frühjahr des nächsten Jahres kommt er wieder zurück auf den Heutalhof.

1999
Die Verletzungen sind gut abgeheilt, Pferd geht gerade - auf in eine neue Saison! Dachten wir! Vom zeitigen Frühjahr an lahmt der SCHIMMEL. Mal vorn, mal hinten, mal links, mal rechts - nie wirklich etwas signifikantes zu finden, trotz mehrmaliger Suche durch Dr. Adlassnig. Ich wollte eigentlich auch wieder ein Turnier fahren, aber es ist kaum möglich, einzuspannen, von Training gar nicht zu reden. Im Frühsommer gibt es einen Distanzkurs am Strelzhof (Nähe Hohe Wand). Da das Pferd zu diesem Zeitpunkt gerade nicht lahmt, reite ich hin, übernachte dort und reite am nächsten Tag, begleitet von Traude Nikles und FLINA, wieder heim. Tags darauf lahmt er wieder.

Zweite ungewöhnliche Geschichte in diesem Jahr: Er steigt plötzlich nicht mehr in den Hänger! Wir wollten zu einem Kurs fahren, es dauert 4 Stunden, bis er endlich drin ist! Margit macht einen Crashkurs NHT mit ihm, dann klappt es. Beim Heimfahren dasselbe Theater, da treten dann aber zwei große, starke Männer auf - Pferd sieht sie, flucht und geht hinein - nachdem er Margit und mich wieder 2 Stunden lang gepflanzt hat. Irgendwann im August beschließen wir (Gerhard und ich), daß die Saison ja jetzt praktisch eh zu Ende ist und wir halt nicht mehr trainieren wollen. Und schon ist es vorbei mit dem Lahmen!

Im Nachhinein betrachtet bin ich mir sicher, daß das Pferd ganz einfach nicht mehr auf Turnier fahren wollte. Und da er ja nicht reden kann (und ich von Tiertelepathie damals noch nichts wußte), hatte er zwei Möglichkeiten, zu verhindern, daß er wegfahren mußte - einerseits lahmen, andererseits nicht in den Hänger steigen. Ich meine dies jetzt nicht so, daß er logisch darüber nachdenkt und sich dann entscheidet, dies oder jenes zu tun oder nicht zu tun! Zu dieser Gedankenleistung ist ein Pferd ganz sicher nicht fähig. Aber im Nachhinein ergibt sich dieses Bild. Ich bin damit überhaupt nicht einverstanden, und sehr enttäuscht darüber, daß seine Karriere zu Ende ist. Aber ich muß es akzeptieren, ob ich will oder nicht.

Im Laufe dieses Jahres gibt es am Heutalhof bzw. mit Fam. Prandl zunehmend Schwierigkeiten, sodaß wir uns gezwungen sehen, wieder einmal umzuziehen. Da unsere Freundin Sonja mit ihrer SAMMY (sie war zunächst auch am Heutalhof) in Wiesen bei Fam. Jagschitz "zuhause" ist und es dort einen Offenstall gibt, ziehen wir dorthin. Um Probleme beim Verladen zu vermeiden und weil es ja nicht sehr weit ist, reitet Gerhard hin, ich bringe unsere Sachen mit dem Hänger hinüber. Leider erweist sich auch dieser Stall als ungeeignet, v.a. durch die Inkompetenz von Fam. Jagschitz. So müssen wir noch im November wieder weg. Diesmal wird es Theresienfeld, der Westernstall von Harald Weiß.

Aber wie hinkommen? Zum reiten zu weit. Gerhard meint, er bringt den SCHIMMEL dazu, daß er einsteigt. Ich bin skeptisch, aber lasse ihn gewähren. Bin allerdings nicht dabei, weil ich mit meiner Nervosität und Unsicherheit nur stören würde. Und siehe da, er hat recht gehabt - es dauert 3 Minuten! In Theresienfeld hat der SCHIMMEL zunächst eine Box, kommt aber dann später in einen Offenstall mit einem Haflinger und einem Warmblut. Wir reiten jetzt nur mehr freizeitmäßig, d.h. viel aus (was allerdings in Theresienfeld nicht besonders schön ist), und etwas Dressurgymnastik am Reitplatz.

Und noch etwas passiert in diesem Herbst: ich kaufe ein Fohlen! Da der SCHIMMEL ja nicht sehr gut beisammen ist, und damit zu rechnen ist, daß er nicht mehr sehr lange voll reitbar sein wird, sorge ich zeitgerecht für Nachwuchs. Es ist ein Hengstfohlen, derzeit "Schokofuchs", soll aber Schimmel werden. Ziemlich viel ägyptisches Blut, Leistungseltern. SHAI KHAN kommt zunächst zu Rita Völkl, wo er den Winter verbringt. Der Kleine ist sehr aufgeweckt und selbständig und auch recht brav. Wir gehen spazieren mit ihm und er geht ganz brav mit, läßt sich rückwärtsrichten, sogar bergab (hatte da mit dem SCHIMMEL schlechte Erfahrungen). Auch durchs Dorf kann man problemlos gehen. Er bleibt zwar ab und zu stehen und schaut, aber immer cool und geht dann auch gleich wieder weiter.

2000
Nach wie vor lahmt der SCHIMMEL immer wieder leicht, und des öfteren hat er verschiedene kleine Verletzungen. Auch das Auge wird eher schlechter und wir wissen nicht recht, was dagegen tun. Trotzdem reiten wir regelmäßig, im Laufe des Frühjahrs spanne ich auch wieder ein. SHAI KHAN kommt im Mai auf die Teichalm, wo er den Sommer verbringt. Anschließend bringe ich ihn von dort direkt auf den Aufzuchthof der Familie Schweighofer in Pöllau, wo er bis zu seinem 3. Lebenjahr bleiben wird. Wir fahren ca. 1x im Monat hin, holen ihn raus, putzen ihn, gehen spazieren. Ansonsten passiert in diesem Jahr nicht viel besonderes, bis auf unseren Auftritt mit dem SCHIMMEL beim Tag der offenen Tür in Theresienfeld im August!

Harald fragt uns, ob wir dabei mitmachen wollen - na klar! Zur Eröffnung wird mit vier Pferden eine Fahnenparade geritten, eines davon ist der SCHIMMEL mit Gerhard im Sattel. Danach folgen Demonstrationen von Harald zur Ausbildung von Jungpferden. Dazwischen mache ich mit dem SCHIMMEL eine Fahrvorführung, zu der ich einen Text verfasst habe, der von Susi Werth-Hofbauer - moderiert die ganze Veranstaltung - verlesen wird. Im Anschluß daran erzählt sie frei vieles von den Vorfahren meines Pferdes. Die Vorführung kommt gut an, als Höhepunkt fahren wir im Trab durch das Flattertor! Tosender Applaus! Danach folgen noch ein paar Fohlen von Harald's Hengst NABAAR, gezogen von Fam. Heimhilcher aus Gainfarn.

2001
In diesem Jahr gibt es nichts besonderes zu berichten, hauptsächlich reitet jetzt Gerhard, ein bis zweimal die Woche auch ich, und hin und wieder spanne ich auch ein. SHAI KHAN ist nach wie vor in Pöllau, wächst und gedeiht und ist sehr brav. Da der SCHIMMEL noch immer nicht ganz gerade geht, bitten wir eine andere Tierärztin, ihn sich anzuschauen. Sie tut dies sehr gründlich, empfiehlt eine Spritzenkur, die jedoch sehr teuer kommt. Daher wird erst einmal nur eine Spritze verabreicht - und siehe da, die Lahmheit ist weg! Auch um die Augen kümmert sie sich intensiv, aber bedeutend besser wird es nicht (chronische Bindehautentzündung). Auch in diesem Jahr gibt es etliche leichte Verletzungen, u.a. auch eine ärgere am Auge.

2002
Nach wie vor reitet hauptsächlich Gerhard. Der SCHIMMEL ist wieder gut beisammen - besser als zu vermuten war! Im Sommer reitet Gerhard mit ihm und zwei Stallkolleginnen nach Lichtenwörth und macht beim Geschicklichkeitsreiten mit. Am Anfang ist der SCHIMMEL sehr aufgeregt, aber nach langer Wartezeit mit Grasen dann sehr ruhig und im Parcours ganz super! Leider sind die Bewertungskriterien ziemlich eigenartig (eigentlich nur auf Zeit) und so wird es ein hinterer Platz. Aber auf unser braves Pferd sind wir beide sehr stolz!

Ende März holen wir SHAI von Pöllau nach Weikersdorf, wo Dr. Adlassnig ihn kastriert. Zwei Tage darauf bringen wir ihn wieder zurück. Da die OP unter Vollnarkose gemacht wurde, hat er keine Schmerzen, blutet nicht, leidet nicht, man merkt ihm fast nichts an. Drei Monate darf er noch oben verbringen, Ende Juni holen wir ihn dann ganz zu uns nach Theresienfeld. Wir gehen mit ihm spazieren, Gerhard arbeitet mit ihm im Round Pen und fängt dann auch mit, ihm den Sattel schmackhaft zu machen. Im Großen und Ganzen läuft alles sehr gut, nur einige Male stürzt SHAI beim Freilaufen im Round Pen. Das sollte später noch Folgen haben. Im Herbst sitzt Gerhard bereits ganz kurz oben! Und er fängt an, SHAI als Handpferd mit dem SCHIMMEL mitzunehmen.

Im Laufe dieses Jahres treten leider immer öfter Probleme im Stall auf, teils mit der Fütterung (zu wenig Heu, zu viel Kraftfutter), teils mit dem Abmisten, das Gerhard praktisch im Alleingang erledigt, ich jedoch dafür zahle, etc. Im Spätherbst kommt dann dazu, daß Gerhard unter der Woche nichts mehr mit den Pferden machen kann, weil er erst nach Einbruch der Dunkelheit in den Stall kommt. Roundpen unter Wasser, Licht am hinteren Platz nicht in Betrieb und der vordere benötigt für Schulbetrieb (und teilw. auch unter Wasser). Gerhard sucht und findet einen neuen Stall und im November ziehen wir um, u.zw. nach Günselsdorf zu Fam. Frühwirth. Dort gibt es zwar keinen Offenstall, dafür riesige Boxen in einem Kaltstall, Heu und Stroh so viel man will - und eine kleine Halle! Gerhard reitet den SCHIMMEL hinüber, SHAI bringe ich mit dem Hänger hin, ebenso die Kutsche. Beide Pferde leben sich rasch ein und wir können wieder mit ihnen arbeiten.

2003
Nachdem Gerhard schon etliche Male mit SHAI in der Halle geritten ist, und gemeint hat, jetzt werden wir bald ausreiten gehen, kommt es plötzlich zu einem "Unfall". Unmittelbar nach dem Aufsteigen "schießt" der Junge seinen Reiter wie eine Rakete ab. Das Pferd reagiert panisch und läßt sich nur mühsam einfangen. Gerhard ist nicht viel passiert, aber danach möchte er nicht mehr mit dem Pferd weiterarbeiten (zumindest nicht im Sattel), was ich respektiere. Ich suche und finde eine zunächst gut aussehende Lösung, u. zw. kommt das Pferd auf Anraten einer Freundin in einen Rennstall in Tschechien. Leider stellt sich heraus, daß dort auf seine Probleme und Eigenheiten nicht eingegangen wird, und so kommt das Pferd im Sommer unverrichteter Dinge wieder zurück zu uns. Da wir aber nun beide kein Vertrauen mehr haben, gilt es, einen guten Platz zu finden. Das gelingt auch, die Züchterin, von der ich das Pferd seinerzeit gekauft hatte, nimmt ihn zurück. Nach zwei Wochen daheim (in denen SHAI total lieb und brav ist!) kann er mit einem Transport mit nach Belgien fahren. Dort wird er behandelt (nach wie vor arge Probleme im Rücken bzw. Wirbelsäule) und findet dann eine Reiterin, die sich nicht fürchtet und glücklich mit ihm ist. Ende gut, alles gut.

Und der SCHIMMEL? Dem gehts so gut und Gerhard reitet so viel, daß er meint, er würde gerne im Mai in Schranawand beim Distanz-Reitertreffen mit ihm starten! Also holen wir den Alten (23!) aus der Versenkung! Alles funktioniert problemlos, bis darauf, daß sich der alte "Depp" ärger aufführt wie in jungen Tagen! Nur buckeln, nur galoppieren, nur rennen! Mit zwei Freundinnen reitet Gerhard 15 km, Tierarzt-Kontrolle ohne jede Beanstandung. Er hätte ohne weiteres weitere 15 km gehen können, aber Gerhard mochte nicht mehr. Macht auch nix, aber wir haben gezeigt, daß es dem alten Herrn gut geht und er noch vollfit ist. Wir bekamen sogar ein Sonderlob von der Tierärztin! Ich hatte ihn allerdings vor dem Ritt von unserer Tierärztin genau anschauen lassen und sie gebeten, mir ehrlich zu sagen, ob es sinnvoll sei - was sie voll und ganz bejahte. Auf jeden Fall war deutlich zu sehen, wie stolz und begeistert SCHIMMELCHEN war! Ansonsten gibt es aus diesem Jahr nicht viel zu berichten.

2004
Auch dieses Jahr verläuft großteils ereignislos. Ich ziehe mich immer mehr zurück, bin nur mehr einmal in der Woche dort, ausmisten und reiten. Es ist kein besonderes Vergnügen mehr, das alte Pferd stolpert viel, man muß immer sehr aufpassen. Und er buckelt! Und zwar so arg, daß er sich einmal (zum Glück nicht mit mir, sondern mit Gerhard) sogar selbst verletzt. Wie sich herausstellt, hat er eine Zerrung in der Schulter, ist zunächst stocklahm. Nach Behandlung und ein paar Tagen Ruhe ist aber wieder alles ok. Wir schonen ihn noch 14 Tage und gehen nur zu Fuß, dann wird wieder geritten. Geändert hats an seinem Verhalten natürlich nichts. Ich selbst galoppiere überhaupt nicht mehr und auch beim Traben muß ich sehr aufpassen. Die geringste Unaufmerksamkeit und er zieht ab. So ist es kein Vergnügen mehr. Er hat noch immer eine sehr gute Kondition, weil Gerhard nach wie vor viel reitet, nicht nur im Gelände, sondern auch gymnastizierende Arbeit in der Halle. Im Schritt kann SCHIMMEL die Seitengänge immer noch alle! Im Trab trau ich mich's nicht, weil ich doch zu viel Angst habe, daß er stürzen könnte.

Im Frühwinter ändert sich dann plötzlich alles. Gerhard verletzt sich ärger (nicht beim Reiten), er hat einen Haarriß in der Schulter, Kapseleinriß, etc. Fällt damit für längere Zeit komplett aus. Da wir in Günselsdorf selbst ausmisten müssen, wird das rasch zum Problem. Anfangs mache ich das, bekomme aber bald Schmerzen in der Hand. Reiten ist natürlich gar nicht mehr, wäre mit einmal die Woche sinnlos, und mehrfach geht sich für mich nicht mehr aus. Eine Zeitlang springen die Tochter der Stallbesitzer und eine Einstellerin ein mit dem Ausmisten, aber das ist auch keine Dauerlösung. Um den Jahreswechsel wird mir klar, daß ich einen anderen Stall finden muß. Es sollte einer sein, wo ich mich um nichts mehr kümmern muß, wo alles vom Stall aus gemacht wird, was nötig ist - ein Gnadenhof!

2005
Ein Hilferuf im Internet in Sachen Gnadenhof findet sofortigen Widerhall - es wird mir der Riedenhof in Achau (Nähe Schwechat) empfohlen. Ich fahre hin, schaus mir an, rede mit den Leuten dort (Franz Rendl und Evelyn Popp) - es klingt alles sehr gut. Tut es zwar meist, wenn man Stall sucht - aber hab ich eine Alternative? Nein. Also wird an einem herrlichen, warmen (15 Grad!) 8. Jänner das Pferd von Frau Popp geholt. Ich lasse sie verladen, bin viel zu nervös. Sie ködert ihn mit Karotten - und in einer Minute ist er drin! Die Fahrt ist nicht lang und er ist sehr brav. Dort angekommen, ausgeladen (jetzt ich!), marschiert er auf die Koppel, wälzt sich und frißt das bereitgestellte Heu! So problemlos hab ich noch nie einen Stall gewechselt!

Die Atmosphäre hier ist so friedlich, freundlich und gelöst, daß ich gar nicht mehr heimfahren will. Und daran ändert sich auch das ganze Jahr über nichts. Ich bin mit allem einverstanden, die beiden kümmern sich wirklich aufopfernd um mein Pferd. Vor allem die Behandlung der schlechten Augen, aber auch alles andere, was so nötig ist, wird verläßlich erledigt. Sie machen sich viele Gedanken um das Futter alter Pferde, natürlich steht er im Offenstall. Und - was ich eigentlich kaum geglaubt hätte - er hat den doch ziemlich abrupten Wechsel vom fast täglich unter dem Sattel unterwegs sein zum absoluten Nichtstun sehr gut verkraftet. Sicher ist ihm fad, aber rein körperlich gibt es keine Probleme und er scheint sich auch psychisch daran gewöhnt zu haben, zumindest macht er den Eindruck, zufrieden zu sein.

2006
Der lange Winter ist ohne besondere Probleme vorübergegangen, SCHIMMEL hat im Herbst ein dichtes Fell entwickelt und ist es im Frühjahr recht gut wieder losgeworden. Allerdings dürfte er jetzt ein leichtes Sommerekzem haben, es gibt heuer sehr viele Kriebelmücken und sein noch immer dichtes Fell (er hatte ja immer viel Fell) tut ein übriges. Aber Franz und Evelyn haben das sofort behandelt und es ist längst wieder im Verheilen. Er steht jetzt in einem Paddock mitten im Hof, hat alles unter Kontrolle - und das taugt ihm sicher sehr.

2007
Auch dieser Winter ist gut vorübergegangen, war ja auch ein sehr milder. Um ihm im Fellwechsel zu helfen, wurde er heuer (erstmals in seinem Leben!) geschoren. Das war sehr hilfreich, er scheuert dieses Frühjahr sehr wenig. Die Augen sind mal etwas besser, mal wieder schlechter. Er hat seit März eine eigene Betreuerin, Karin, eine junge Frau, die ihn heiß liebt und sich intensiv um ihn kümmert. Das merkt man ihm auch an, er ist wieder viel "wacher" geworden, und er genießt es sicher sehr.

2008
Am 25.01. geht Zohair-2, genannt "Zonki" oder "Der Schimmel", über die Regenbogenbrücke.

Er hat sich am Nachmittag in seinem Paddock hingelegt, und konnte danach nicht mehr aufstehen. Auch die sofort gerufene Tierärztin konnte ihm nicht mehr helfen. Zahlreiche Aufstehversuche seinerseits mit massiver Hilfe der Riedenhöfler (und sogar der Feuerwehr) waren erfolglos, so daß ich die bittere, aber doch eindeutige Entscheidung treffen mußte, ihn zu erlösen. Ihn die ganze Nacht bei Kälte im Freien liegen zu lassen, wäre unmöglich gewesen.

Es dauerte dann leider noch sehr lange, bis es vorbei war. Er hat noch sehr gekämpft, wohl uns zuliebe. Irgendwann war es dann aber doch still.

Mach's gut, mein kleiner, zäher Kämpfer! Ich hoffe, Du warst selbst bereit zu gehen. Dein Körper hat leider nicht mehr mitgespielt. Das Herz war bereits sehr schwach, mehrfache Ödeme und andere Probleme belasteten zusätzlich. Und das Melanom neben dem After war auch eine Gefahr.

Für mich war es natürlich hart, aber meine Einstellung war schon seit längerem, wenn Du gehen willst, dann geh - wann immer das ist. So habe ich doch loslassen können und Dich mit den allerbesten Wünschen auf die Reise geschickt. Jetzt galoppierst und buckelst Du sicher schon auf den ewigen Weiden!

Schlimm war es für Karin, seine Betreuerin seit einem Jahr. Sie war fast jeden Tag dort, hat ihn geputzt, seine Augen behandelt, ist mit ihm spazierengegangen - er folgte ihr bereits ohne Strick, wie ein Hund - hat mit ihm gespielt und geschmust. Da ist so ein Verlust viel schwerer zu ertragen. Sie hat sich aber ganz toll gehalten. Nachdem es auch für sie klar war, daß es keine Hoffnung mehr gibt, war sie sehr gefasst und ist bei ihm geblieben, hat seinen Kopf gehalten und ihn gestreichelt bis zum letzten Atemzug.

Ich bin sehr froh und dankbar, daß auch ich ihn auf seinem letzten Weg begleiten durfte. Ich glaube, das war für ihn sehr wichtig, obwohl wir ja in den letzten Jahren keine enge Beziehung zueinander mehr hatten. Ich bin bei ihm gesessen und hab ihn gestreichelt, bis es vorbei war. So konnte ich mich auch verabschieden, und, solange er noch bei Bewußtsein war und mich wahrnahm, ihm danken für alles, was er für mich getan hat, und ihn um Verzeihung bitten, für alles, was ich ihm angetan hab. Ich glaube, das hat er auch getan - Tiere sind nicht nachtragend.

So ist nun eine Ära zu Ende gegangen. Über 23 Jahre lang war der Schimmel mein Pferd - eine lange Zeit, mit so vielen Erlebnissen. Eine erfüllte Zeit, für die ich dankbar bin. Und ich bin sehr froh, daß er immer in meinen Händen war, und ich immer bestimmen konnte, was mit ihm geschieht. Das war immer klar für mich, daß er in meinem Besitz bleibt, so lange er lebt.

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